„Eine Besonderheit, ein Juwel“

Bayerische Denkmalschutzmedaille für den Förderverein Kirche Pürgl: Vorsitzender Alois Früchtl über Glücksmomente und neue Herausforderungen
Einige Jahre sind vergangen, seit der Förderverein Kirche Pürgl damit begonnen hatte, die katholische Kirche St. Pauli Bekehrung in der Gemeinde Neukirchen zu restaurieren. 2025 feierte man Wiedereröffnung. Rund zwei Millionen Euro hat es gekostet, das Kleinod zu retten. Viele Spenden und Fördergelder halfen dabei. Am Dienstag bekam der Verein nun in München die Bayerische Denkmalschutzmedaille überreicht.

Denkmalschutzmedaille Pürger Kirche, Bog. Zeitung 01.07.26

Eine Medaille für die Gesamtinstandsetzung der katholischen Kirche St. Pauli Bekehrung. Mit dabei (v. l.): Bürgermeister Matthias Wallner, Alois Früchtl, Martin Lex, Pater Simeon, Hanns-Peter Gröschl, Michael Feil, Thomas Kammermaier und Kunstminister Markus Blume. Fotos: privat (l.)/Herbert Stolz

Herr Früchtl, Jahre des Einsatzes für die Pürgler Kirche wurden nun mit der Denkmalschutzmedaille gewürdigt. Wie war es in München? Alois Früchtl: Die ganze Feier und die Kulisse in der Alten Münze in München waren wunderschön und beeindruckend. Wir haben viele Wegbegleiter getroffen, Mitarbeiter des Landesamts für Denkmalpflege zum Beispiel und Architekt Michael Feil. Kunstminister Markus Blume hat uns die Medaille überreicht, es war wirklich schön. Was bedeutet diese Medaille dem Verein? Früchtl: Man realisiert mehr und mehr, was man für ein besonderes Denkmal hat und was wir seit den ersten Planungen ab 2016 und dem Beginn der Restaurierung Ende 2023 geleistet haben als Verein. Es ist Wahnsinn, wie viele Gelder wir bewegt haben. Wir waren oft so vertieft in die Arbeit, dass wir das vergessen haben. Durch den Preis wird uns noch einmal mehr bewusst, was wir da für eine Besonderheit, was für ein Juwel, in Pürgl haben. Die Pürgler Kirche wurde jahrelang saniert. Wenn Sie zurückblicken: Was hat am meisten Energie gekostet? Früchtl: Da gab es mehrere Sachen. Sehr beschäftigt haben uns die Fragen: Wie können wir Rechnungen zahlen? Wie kommen wir möglichst schnell an die zugesagten Zuschüsse und wann werden sie ausgezahlt? Zum Glück hatten wir starke Unterstützer, etwa im Landratsamt. Da hast du plötzlich Rechnungen von 100.000 bis 200.000 Euro und das Geld ist nicht da, aber die Zahlungsziele der Firmen laufen. Aber da haben wir dann mit der Firma gesprochen und einen Aufschub bekommen. Und was hat für den größten Glücksmoment gesorgt? Früchtl: Die Altarweihe war wirklich Wahnsinn, voller Emotionen, Vorstandschaft, Dorfbewohner, Feuerwehr Sparr - alle haben zusammengeholfen. Als die Festspielblaskapelle den Berg hinauf zur Kirche gespielt hat – das war ein toller Moment. Gab es noch einen? Alois Früchtl: Ja, es gab noch einen besonderen Zeitraum. Lange wurde alles kaputtgemacht, zurückgebaut, etwa Altäre abgebaut, Gestühl ausgebaut, der Putz abgeschlagen oder Fenster ausgebaut. Als dann die neuen Fenster kamen, eingebaut wurden, ging es plötzlich in eine andere Richtung. Da wusste man: Jetzt wird etwas instand gesetzt. Ein Aha-Moment war auch, als die ersten Heiligen-Figuren gereinigt wurden und den Unterschied zwischen hell und dunkel zum ersten Mal gesehen hat. Was steht nun noch an in der Kirche? Früchtl: In die Orgel müssen wir noch rund 50.000 Euro investieren und brauchen dafür Spenden und Fördergelder. Und natürlich kostet der dauerhafte Erhalt der Kirche auch Geld, Strom, Wartung, zum Beispiel der Glocken und deren Aufhängungen, aber auch die Reinigung der Altäre und Schnitzereien, wofür jedes Jahr ein kleines Gerüst gebraucht wird. Um welche Orgel handelt es sich denn? Früchtl: Laut bayerischer Orgeldatenbank ist sie eine der ältesten im süddeutschen Raum, eine ehemalige Prozessionsorgel, laut Bayerischer Orgeldatenbank datiert auf vor 1695. Man weiß allerdings nicht genau, woher sie kommt - vom Kloster Windberg oder vom Kloster Oberalteich. Es gab mal eine Aufschrift. Aufgestellt am 12. Januar 1803. Interview: Marie Schmid, Bogener Zeitung, Ausgabe: 01.07.26


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