Kunstsymposium 2020 Flächen teilen - Flächen sparen

Das Kunstsymposium in Neukirchen, das dieses Jahr bereits zum fünften Mal stattfand, beschreibt eine zehntägige Zusammenkunft von verschiedenen Künstlern und Künstlerinnen, die zu einem aktuellen, gesellschaftlich relevantem Thema verschiedene Kunstwerke entwickeln. Ob performativ, musikalisch, installiert, gebaut oder gemalt ist dabei nebensächlich. Vielmehr ist wichtig, dass die Arbeiten neue Sichtweisen zum Thema anstoßen. So entstanden auch dieses Jahr zum Thema „Flächen teilen Flächen sparen" zahlreiche interessante Beiträge.

Kunstsymposium 2020 Flächen teilen - Flächen sparen

Verschiedene Künstlerinnen und Künstler hatten sich im Vorfeld Gedanken dazu gemacht und 8 der Bewerber*innen überzeugten mit ihren Konzepten, die sie dann vom 11.- 20. September vor Ort umsetzten. Organisiert wird das Symposium von Renate Haimerl Brosch, selbst Künstlerin in Regensburg, aufgewachsen in Neukirchen. 2012 startete sie das erste Kunstsymposium, das seitdem alle zwei Jahre im AtelierHaus und in weiteren Orten im Dorf stattfindet. Das AtelierHaus, während des Jahres genutzt als Ferienhaus und Atelier, ist inzwischen ein bewährter Raum um Kreativität auszuleben, produktiv zu arbeiten oder einfach zu entspannen.

 

Flächen sparen war dieses Jahr zwar im Fokus, trotzdem hat sich die Wirkungsfläche des Symposiums vergrößert. Zur Verfügung standen neben dem AtelierHaus, der ehem. Post und den Freiflächen des Ortes auch der leerstehende Gasthof Laschinger, in dem die Künstler*innen arbeiten konnten.

 

Die Qualität des Neukirchner Kunstsymposiums wird gespeist durch die Anlehnung an die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs. Die Rahmenbedingungen sind so gestaltet, dass die Künstler*innen viele Möglichkeiten haben ihre Konzepte gemeinsam zu besprechen, sie zu überdenken, zu verändern und mitunter ein gemeinsames Werk zu entwickeln. Begrüßt wird das Einbeziehen der Bevölkerung in das künstlerische Tun.

 

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So hat die Malerin Ute Haas aus Landshut in der ehem. Post ihr Atelier errichtet und aus mehreren Weinkartons ein Puzzle gebaut, das sie auf einer Seite mit einem bunten Gemälde versah. Die Gestaltung der anderen Seite erarbeitete sie mit der 3. und 4. Klasse der Grundschule Neukirchen. Die ausgeschnittenen Kinderzeichnungen geben die Vielfalt der Wiesen- und Gräserwelt wieder. Die einzelnen Module sind frei beweglich und so ergibt sich ein spielbares Objekt, das im Moment in der Grundschule Neukirchen steht.

 

Auch Katharina Claudia Dobner aus Sünching hat die Besucher*innen in ihr Werk mit einbezogen und in der ehem. Metzgerei eine Flächen- und Kunstbank eröffnet. Statt Geld konnten die Besucher Flächen einzahlen, bekamen einen Einzahlungsbeleg und kreative Zinsen. Reale und fiktive Flächen aller Art wurden eingezahlt. Mit viel Glück konnte man spekulieren und seine angelegte Fläche aufwerten.

 

Flächen teilen war auch Thema beim Begleitprogramm. Am Sonntag, 13.9. teilten sich Musiker die Obstwiese beim AtelierHaus. Von Klassik bis Volksmusik, instrumental und mit Gesang, ein musikalisches Potpourri mit ganz unterschiedlichen Interpreten aus nah und fern teilten ihren Beitrag bei wunderbar entspannter Atmosphäre.

 

Die Neukirchner Blaskapelle spielte am Dienstag bei einer lauen Spätsommernacht vorm Gasthof Laschinger unter Leitung von Klaus Fischer.

 

Für die Kinder und manchen Erwachsenen wurde das Puppentheater Karotte geladen, die in bezaubernder Weise das Stück -Au Weiher- mit den Gästen teilte.

 

In Zusammenarbeit mit der Gemeinde, konnte für den Donnerstag eine Führung durch die Pürgler Kirche organisiert werden. Die meisten Besucher:innen nutzten das schöne Wetter und machten sich ab 17 Uhr mit Bürgermeister Matthias Wallner und dem Vorsitzenden des Fördervereins Pürgler Kirche Alois Früchtl zu Fuß auf den Weg.
Nach einer kunsthistorischen Betrachtung der Kirche wurde der Raum mit Klang und Text auf Emotionen hin von Katharina Dobner und Josef Eder untersucht. Der Mitschnitt dieser Performance war am Sonntag im Gasthof Laschinger zu hören.

 

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Josef Eder, Choreograph, Schauspieler und Musiker aus München erforschte in Neukirchern die feinstofflichen Elemente der Räume. Zusammen mit Dobner erarbeitete er für die Abschlussveranstaltung eine körperliche Flächen-Performance mit zwei dehnbaren Stoffbahnen auf der Wiese.

 

Die an einer Wäscheleine flatternden Decollagen der Künstlerin Ulrike Zebisch aus Passau, grenzen das Gelände zur Straße hin ab. Zebisch geht auf Spurensuche um und in der Ortschaft. Erforscht ihre imaginären geomagnetischen Pfade und teilt diese Erkenntnis in ihren Frottagen und Decollagen mit den Besucher*innen.

 

Auch Anna Eibl-Eibesfeldt aus Steinach hat sich im ersten Stock des Gasthofes von der Materialität der Vorhänge inspirieren lassen und alle dazugehörigen Teile, wie Gardinen und Vorhangstangen materialgerecht sortiert ausgestellt. Erst dann begann sie an ihrem eingereichten Konzept, dem emotionalen Faktor ihrer gelebten Wohnungen malerischen Ausdruck zu geben.

 

Eine Attraktion für Gäste war auch der Holzbrand der Keramiken, den die Künstlerin Anita Magdalena Franz aus Offenhausen, Mittelfranken am Samstag machte. Ihre geschürten Objekte, mehrmals mit Metallsulfaten übergossen, lagen bis zu 6 Stunden in der großen Feuerschale. Das Ergebnis des Brands sind metallisch wirkende Keramikoberflächen.

 

Ein künstlerischer Beitrag ist bereits am Ortseingang, vor dem Rathaus zu sehen. Renate Christin hat die Fahnenstangen vor dem Rathaus mit verschiedenen Ebenen und Flächenformen mit großen Seilen verspannt. Der fiktive rote Stockwerkbau ist inspiriert von Bungalowbauten und anderen Wohnsituationen.

 

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Als Gastkünstler wurde Carl Olaf Klein aus Brennberg geladen. Seine 4 edlen Wahrheiten zum Thema konnte man in vier der ehem. Garagen des Josef Laschinger bestaunen. Von kuscheligen Häschen, die sich im Stroh unter aufgehängten Acrylglasscheiben versteckten, dem Video Tontaubenschießen, über seine probende Band, -the orderly queue of one-, die aus der geschlossenen Garage zu hören war bis hin zum Steinmetz, der tatsächlich in einer Garage eine Fläche aus dem steinernen Quader schlug sorgte Klein für vier passende Eindrücke die unterschiedlicher nicht sein konnten.

 

Dank der finanziellen Unterstützung durch die Gemeinde Neukirchen, dem Landkreis Straubing-Bogen, der Kulturstiftung des Bezirks Niederbayern und dem Kulturfonds Bayern kann dieses Kunstsymposium stattfinden.

 

Nicht zu vergessen, die vielen ehrenamtlichen Helfer und Mitgestalter des Begleitprogrammes, ohne die es nicht zustande gekommen wäre. Wir werden 2022 daran festhalten.

 

Bild und Text von Renate Haimerl-Brosch

 

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